Stimmungslage zum Iran-Krieg in Deutschland

Der Iran-Krieg belastet die deutsche Öffentlichkeit und Wirtschaft spürbar. Laut neuen Erhebungen des IFO-Instituts sehen neun von zehn Industrieunternehmen (90 %) ihre Geschäfte durch den Konflikt beeinträchtigt. Nur neun Prozent der befragten Betriebe fühlen sich nicht betroffen.

Anbieter: marktmeinungmensch
Veröffentlicht: Apr 2026
Preis: kostenlos
Studientyp: Marktdaten • Marktforschung • Statistik
Branchen: Wirtschaft, Politik & Gesellschaft
Tags: Irankrieg • Kriesen • Wirtschaftsentwicklung • Zukunftsängste • Ölpreis

1. Stimmungslage in Deutschland

Die geopolitische Eskalation im Iran hat große wirtschaftliche und gesellschaftliche Unsicherheit ausgelöst. Laut einer IFO-Sonderumfrage sehen 90 Prozent der deutschen Industrieunternehmen ihre Geschäfte durch den Konflikt beeinträchtigt 
Die wichtigsten Ursachen:

  • Energiepreise (78 % nennen sie als stärksten Belastungsfaktor),
  • Unterbrechungen von Schifffahrtsrouten (36 %),
  • Lufttransportprobleme (16 %) sowie
  • sinkende Exportnachfrage (25 %).

Der IFO-Geschäftsklimaindex fiel im März 2026 auf 86,4 Punkte und erreichte damit den niedrigsten Stand seit Februar 2025. Präsident Clemens Fuest erklärte, der Krieg habe die „Erholungserwartungen abrupt beendet“.

Diese Daten deuten auf eine verbreitete Krisenwahrnehmung unter deutschen Unternehmen hin, ähnlich wie zuletzt während der Ukraine- und Energiepreis-Krise.


2. Wirtschaftliche Entwicklung und Inflation

2.1 Abschwächung des Wachstums

Die gesamteuropäische Konjunktur verliert durch den Konflikt an Dynamik. Laut IWF-Prognosen droht der Eurozone nur noch ein Wachstum von 0,5 Prozent statt der zuvor erwarteten 1,4 Prozent. Der IWF warnt vor einer Kombination aus steigenden Energiepreisen und nachlassendem Welthandel, die besonders Deutschland trifft .

Diese Einschätzung deckt sich mit Berechnungen von Raiffeisen Research, die bereits für Österreich ähnliche Effekte zeigen 

2.2 Inflation durch Energiepreise

Nach Daten von Eurostat stieg die Inflation im Euroraum im März 2026 auf 2,5 Prozent, in Deutschland leicht darüber. Der Preisanstieg wurde vor allem durch Öl- und Gaspreise getrieben, die infolge des Kriegs rund 15 Prozent höher liegen als noch im Januar 

Bleiben die Energiepreise hoch, erwägt die EZB eine Phase restriktiver Geldpolitik, was die Konjunktur zusätzlich bremsen könnte. Viele Unternehmen rechnen deshalb mit einer zweiten Inflationswelle im Sommer.


3. Branchendynamiken und Wirtschaftssituation

3.1 Industrie und Exporte

Die deutsche Industrie reagiert besonders empfindlich. Laut IFO-Konjunkturtest klagen vier von zehn Unternehmen über Lieferprobleme und eingeschränkte Transportkapazitäten .

Betroffen sind vor allem:

  • Chemie und Stahl wegen Energieabhängigkeit,
  • Maschinenbau,
  • Automobilzulieferer durch gestörte Lieferketten.

Die Ausfuhr in den Nahen Osten macht nur rund 1 Prozent der deutschen Exporte aus, wirkt aber über Energiepreise und Rohstoffkosten indirekt stark auf die Gesamtwirtschaft.

3.2 Dienstleistungen, Konsum und Bau

Im Dienstleistungssektor bleibt die Stimmung stabiler, aber der Konsum schwächt sich ab. Verbraucher reagieren laut Forsa-Erhebungen mit Zurückhaltung; 67 Prozent erwarten weiter steigende Lebenshaltungskosten, und 70 Prozent rechnen mit höheren Heiz- und Benzinpreisen.

Die Bauwirtschaft spürt vor allem Materialkostensteigerungen, bleibt ansonsten solide gestützt durch laufende Projekte. Im Einzelhandel entwickeln sich Grundnahrungsmittelpreise und Verbraucherausgaben auseinander: Notwendige Güter bleiben stabil, Luxusgüter und Elektronik verlieren Umsatzanteile.


4. Gesellschaftliche Wahrnehmung und Sicherheitsgefühl

Umfragen von INSA und Forsa zeigen eine deutliche gesellschaftliche Verunsicherung:

  • 65 % der Befragten in Deutschland befürchten eine Eskalation des Kriegs,
  • 58 % sorgen sich um Energieversorgung und Preisexplosionen,
  • ein Drittel hält sogar eine Ausweitung auf Europa für möglich.

Das Vertrauen in internationale Institutionen nimmt ab: Nur 19 % glauben, dass diplomatische Bemühungen kurzfristig Frieden bringen. Der Krieg verstärkt damit bestehende geopolitische Skepsis und die Wahrnehmung einer „Dauerkrise“ nach Pandemie und Ukraine-Krieg.


5. Politische und wirtschaftspolitische Maßnahmen

Die Bundesregierung reagiert auf die geopolitischen Belastungen mit mehreren Programmen:

  • Aufstockung strategischer Energie- und Gasreserven,
  • Förderung für energieintensive Unternehmen,
  • Investitionsanreize für erneuerbare Energien,
  • Diversifizierung der Handelsrouten und Lieferketten.

Auch auf europäischer Ebene wird über eine gemeinsame Energiepolitik diskutiert, um strukturelle Abhängigkeiten zu verringern. Der Sachverständigenrat erwartet, dass diese Maßnahmen erst mittelfristig Wirkung zeigen – kurzfristig bleibe das Risiko einer technischen Rezession bestehen.


6. Parallelen zu Österreich und dem Euroraum

Österreich zeigt ähnliche Trends: Der WIFO-Konjunkturklimaindex liegt bei –1,7 Punkten, ebenfalls unter dem Vormonatswert, wobei der Iran-Krieg laut Institut „Preiseffekte und Unsicherheiten“ verursacht .
Die Bauwirtschaft zeigt leichte Stabilisierung, während Industrie und Handel schwächeln. Diese Vergleichsdaten verdeutlichen, dass nicht nationale, sondern gesamt-europäische Unsicherheiten dominieren.


Fazit

Die Marktforschungsergebnisse und Konjunkturstudien aus Deutschland zeichnen ein deutliches Bild:

  • Breite wirtschaftliche Verunsicherung durch Energiepreise und geopolitische Risiken,
  • Industrie unter hohem Druck,
  • Verbraucher mit sinkender Kaufkraft und Vertrauen,
  • Wirtschaftspolitik im Krisenmodus zwischen Energieabschirmung und Zukunftsinvestitionen.

Deutschland bleibt laut IFO und IWF zwar stabil, aber wachstumsschwach. Ein nachhaltiger Aufschwung hängt von einer diplomatischen Entspannung im Nahen Osten und der Anpassungsfähigkeit europäischer Energiemärkte ab.
Der Iran-Krieg wird damit zu einem Stresstest für die deutsche und europäische Wirtschaft, deren Stärke sich künftig nicht nur an Produktivität, sondern am Umgang mit globaler Unsicherheit messen wird.